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So kann die Pflege trotz Corona gut gelingen!

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Von: Gudula Wolf

Corona verunsichert viele Pflegebedürftige und diejenigen, die sie pflegen. Was ist jetzt zu tun ist und worauf sollte geachtet werden:

 

Pflegeleistungen für Pflegebedürftige

Einige Beispiele:Tagespflegen werden geschlossen, Ambulante Betreuungsgruppen-Angebote finden nicht mehr statt. Bewohner*innen können nicht mehr an den Gruppenangeboten in stationären Einrichtungen teilnehmen, Angehörige dürfen dort nur streng reglementiert oder gar nicht besuchen. Beratungsstützpunkte können nicht mehr aufgesucht werden. Die Pflegeversicherung setzt die Begutachtungstermine zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit aus. Ebenso finden zurzeit keine Hausbesuche für Pflegegeldempfänger*innen statt.

 

Pflege und Betreuung

Gerade ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen sind in diesen Zeiten besonders gefährdet an der gefürchteten Lungenentzündung (COVID-19) zu erkranken. Nicht nur Pflegepersonal in Krankenhäusern arbeitet am Limit. Auch das Pflege- und Betreuungspersonal in den ambulanten Pflegestationen und stationären Pflegeeinrichtungen sind zurzeit gefordert, die pflegerische Versorgung aufrecht zu erhalten und dabei zwischen allen Beteiligten zu vermitteln. Ambulante Pflegekräfte können Ihre Touren nicht einhalten, müssen Pflegeeinsätze verschieben oder gar verkürzen. Angehörige sind verstärkt bei der Unterstützung gefordert und müssen helfen.

 

So können Risikopersonen und ältere Menschen sich selbst helfen

Ältere Menschen, Pflegebedürftige und deren Familien werden aufgerufen auch selbstverantwortlich zu reagieren und Risiken zu vermeiden. Pflege- und Betreuungskräfte helfen Ihnen dabei.

Der AWO Bundesverband unterstützt den Apell der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die folgende Tipps geben:

  • Reduzieren Sie soziale Kontakte soweit möglich, auch zu Gleichaltrigen, denn auch sie können Überträger sein.
  • Meiden Sie derzeit jeden unmittelbaren Kontakt zu Enkelkindern.
  • Gehen Sie nicht in Arztpraxen, rufen Sie im Bedarfsfall dort an, und fragen, wie Sie sich verhalten sollen.
  • Gehen Sie, falls möglich, nicht in Apotheken, bestellen Sie benötigte Arzneimittel per Telefon und lassen Sie sich diese liefern. oder nehmen
  • Sie, wenn möglich, Hilfe aus der Familie oder der Nachbarschaft an.
  • Nehmen Sie Bring- und Lieferangebote an: durch Familie und Nachbarn, durch Supermärkte.
  • Begrenzen Sie die Zahl der Personen, die in Ihre Wohnung kommen, auf ein Minimum.
  • Nutzen Sie das schöne Wetter, um spazieren zu gehen. Halten Sie dabei Abstand.

Weitere BAGSO-Tipps

Das hilft und unterstützt Pflegebedürftige und Ihre Angehörigen

Beispiele:

  • Pflegende Angehörige können sich über die Psychologische Online-Beratung pflegen und leben.de Unterstützung im Pflegealltag holen.
  • Bundesweite Hilfen:„Krisen- und Beschwerdetelefone“ .
  • Hilfe bei der Versorgung zu Hause. Mit den Ratgebern des Zentrum für Qualität in der Pflege finden Sie gute Tipps für die Pflege zu Hause.
  • Fragen zu Pflege und Alter(n) können Sie über die Online-Pflege- und Seniorenberatung der AWO stellen. Per E-Mail, Einzel-oder Expertenchat.
  • Pflegekräfte sind überall gefordert, seien Sie rücksichtsvoll, nachsichtig und wertschätzend. Wenn etwas nicht so klappt, wie Sie denken- FRAGEN SIE NACH!!!
  • Beachten Sie die Angaben und Informationen der stationären Einrichtungen und ambulanten Pflegestationen zu Richtlinien und Hygienemaßnahmen.
  • Kommunizieren Sie mit Ihren pflegebedürftigen Angehörigen in den stationären Pflegeeinrichtungen per Telefon, digital per Email- oder Video-Skype oder schreiben Sie einfach wieder Briefe oder Postkarten. 
  • Viele Nachbarschaftsnetzwerke entstehen. Einkaufs-, Betreuungs- oder Unterstützungsangebote werden unterschiedlich angeboten. In Ihrem Wohnquartier-in Ihrer Straße, ihr ambulanter Pflegedienst oder Familienangehörige wissen über regionale Angebote Bescheid. Oder fragen Sie einfach einmal Ihre Nachbarn und Bekannten, die helfen gerne. Mit dem Wegweiser durch die digitale Welt (BAGSO) lernen Sie etwas  Neues kennen.Trauen Sie sich.
  • Sie sind alleine und möchten mit Jemandem reden? Im Silbernetz  treffen Sie Ehrenamtliche zum Gespräch.

So schafft es Augusta durch die Corona Krise

Vor 6 Wochen habe ich eine alte Bekannte wieder getroffen, Augusta ist 73 Jahre alt, hat ihre Tochter neben der Arbeit großgezogen und lebt nun alleine in einer 1 Zimmer-Wohnung. Aufgrund verschiedener chronischer Erkrankungen kann Augusta sich nur langsam und unter hoher Kraftanstrengung versorgen. Eine chronische Lungenkrankheit mit Atemnot macht ihr gerade jetzt zu schaffen. Sie hat den Pflegegrad 1 und bekommt Leistungen der Pflegeversicherung. Einmal die Woche kommt eine Pflegekraft von einer ambulanten Pflegestation ihr beim Baden helfen. Außerdem kommt täglich eine andere Pflegekraft die Kompressionsstrümpfe an-und auszuziehen. Meist kommen die Helfer*innen ganz regelmäßig. Bekannte unterstützen sie hin und wieder. Die Tochter lebt in einer anderen Stadt.

Doch die Unterstützung reicht nicht aus. Die tägliche Körperpflege fällt ihr schwer. Einkauf, Haushalt, Arztbesuche- alles wird zu viel und bleibt liegen. Freundinnen rieten ihr einen Höherstufungsantrag bei ihrer Pflegekasse zu stellen. Das tat Augusta, war mit ihrer Pflegestation im Gespräch und dann kam alles ganz anders mit dem neuen Corona-Virus.

Augusta ist jetzt stark verunsichert, wie sie sich verhalten soll. Sie gehört zur Risikogruppe, sollte Außenkontakte meiden und benötigt Hilfe und Unterstützung. Außerdem fällt ihr die Decke auf den Kopf, das Nachbarschaftscafé ist geschlossen, keiner da zum Reden. Wo bekommt sie Unterstützung und Hilfe? Was soll sie tun.

Augusta hat den Antrag einen Höherstufungsantrag für mehr Pflege bei Ihrer Pflegekasse gestellt. Sie wartet was passiert. Durch die ambulante Pflegestation hat sie eine Nachbarschaftshilfe vermittelt bekommen, die den Einkauf bringt. Sie hat Verständnis, wenn die Pflegekraft zu spät kommt oder der Termin einmal abgesagt werden muss. Ihre Bekannten bringen Essen vorbei. Zwei andere Nachbarn helfen im Haushalt, wenn etwas nicht klappt. Mit ihrer Tochter skypt sie regelmäßig. Der Student von nebenan hat ihr den Computer eingerichtet. Augusta wird jetzt von einem Netzwerk betreut. Sie ist mit allen per Telefon oder E-Mail in Kontakt. Fühlt sie sich einmal alleine nutzt sie die bundesweite Telefonnummer von Silbernetz und unterhält sich mit den Ehrenamtlichen.

Aktuelle Situation

Der Ausbruch des neuartigen Corona-Virus verändert weltweit das Zusammenleben aller Menschen. Vorbeugende Maßnahmen vor Ansteckung sind Hygieneregeln einhalten, Distanz wahren, Körperkontakt und Gruppenbildung vermeiden. In Deutschland sind bundesweit viele Maßnahmen zur Ansteckungsvermeidung erfolgt. Täglich ändert sich etwas in den einzelnen Bundesländern wie Ausgangs-beschränkungen und Schließungen von Geschäften und Institutionen. Das Bundesministerium für Gesundheit, das Robert Koch Institut, die Gesundheitsämter vor Ort sind ständig in Kontakt, damit sich die Virusinfektion nicht ungebremst ausbreiten kann.

 

Weitere Informationen:

Pressemitteilung des MDS vom 18.03.2020 „Schutz der Versicherten hat Vorrang – körperliche Untersuchungen durch Medizinischen Dienst ausgesetzt“

GKV-Spitzenverband: Fokus: Sonderregelungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus

Bundesministerium für Gesundheit:Tagesaktuelle Informationen zum Coronavirus
 

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